Deutsches Spezialistenforum für Sehnenerkrankungen

Krankheitsursachen

Sehnen zählen zu den sogenannten bradytrophen Geweben, d. h. sie verfügen über einen sehr langsamen Stoffwechsel, der im Wesentlichen durch Diffusion und nicht durch die direkte Versorgung mit Blutgefäßen erfolgt. Aus diesem Grund sind Sehnen sehr anfällig für Schädigungen.

Im Folgenden finden Sie eine Aufstellung der häufigsten Krankheitsursachen:

Primäre Überlastung

Wiederkehrende, einseitige oder monotone Belastungen in Sport, Arbeit oder Freizeit geben den Sehnen und dem Sehnengleitgewebe nicht ausreichend Zeit zur Regeneration. Durch den langsamen Stoffwechsel kommt es schneller als bei gut durchbluteten Geweben zu Ernährungs– und damit Regenerationsdefiziten (z. B. Muskeln).

Repetitive Strain Injury Syndrom (RSI-Syndrom)

Das RSI-Syndrom wird durch sehr monotone, häufig stereotype Bewegungen z. B. bei der Bedienung der Computermaus oder Computertastatur ausgelöst. Es ist somit eine Sonderform der Überlastung. Krankhafte Strukturveränderungen im Bereich der betroffenen Region sind bisher nicht nachgewiesen worden. Allgemeine Empfehlungen zur Vermeidung eines RSI-Syndroms sind ein ergonomischer Arbeitsplatz und die Vermeidung einseitiger Bewegungsabläufe z. B. beim Sport sowie ein regelmäßiges exzentrisches Training der betroffenen Muskulatur.

Sekundäre Überlastung

Überlastungen müssen nicht nur durch falsches Verhalten bedingt sein. Häufig kommt es zu sogenannten sekundären Fehlbelastungen. Ein typisches Beispiel hierfür ist die chronische Überlastung der Achillessehne durch ein verändertes Gangbild aufgrund einer Rückenerkrankung. Aus diesem Grund kann die Untersuchung des gesamten Bewegungsapparates notwendig sein, um Beschwerdeursachen zu erkennen und zu behandeln.

Stoffwechselstörungen

In Folge des sensiblen Stoffwechselgleichgewichts sind Sehnen besonders anfällig für Stoffwechselstörungen. Solche Stoffwechselstörungen können krankheitsbedingt sein, z. B. bei Diabetes. Sie können aber auch Folge einer falschen Ernährung oder Medikamenteneinnahme sein (z. B. Antibiotika, Kortison).

Entzündliche Erkrankungen

Erkrankungen, die chronische Entzündungen im Körper hervorrufen, führen häufig zu Stoffwechselstörungen mit resultierenden Sehnenreizungen. Typische Beispiele hierfür sind Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis sowie chronische Haut– oder Darmerkrankungen.

Kalkeinlagerungen

Eine Sonderform der Stoffwechselstörung ist die Kalkeinlagerung (Kalzifikation) einer Sehne. Häufig wird dieses Krankheitsbild an der Achillessehne oder der Schultersehne (Rotatorenmanschette) beobachtet. Biochemisch ist die Verkalkung einer Sehne ein Zwischenschritt der Regeneration. Ist der Regenerationsprozess gestört, so bleibt dieser Regenerationsprozess im Verkalkungsstadium stehen und erzeugt sichtbare Kalkmengen und Beschwerden. Auch Störungen des physiologischen Säure-Basen-Haushalts können hierfür verantwortlich sein.

Verletzungen

Verletzungen sind seltene Ursachen für Sehnenschädigungen. Da Sehnen enorme Zugkräfte aushalten, reißt eher der Muskel oder die Sehnenverankerung am Knochen als die Sehne selbst. Ein Sehnenriss ist in der Regel nur möglich durch die Schwächung des Sehnengewebes bei Vorschädigungen.